"All the stars are yours to hold in your hands
All the stars are yours to share with those there"
Lake of Tears - The Path of the Gods

Donnerstag, 22. März 2018

Was gehört zu Deutschland?

Horst Seehofer hat vor einigen Tagen (wie mehrere Politiker vor ihm) verkündet, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre.

Ich wundere mich.

Was möchte Herr Seehofer (und andere) damit ausdrücken? Dass er keine Muslime in Deutschland haben möchte? Dass er den Islam als Religion nicht als Teil deutscher Kultur empfindet? Dass er keine Hinweise auf islamisches Leben sehen möchte?
Was bedeutet der Satz "XXX gehört nicht zu Deutschland"?

Ich bin ganz ehrlich, ich verstehe diesen Satz nicht wirklich. Man kann sagen "Der Mount Everest gehört nicht zu Deutschland" oder "Der Amazonas gehört nicht zu Deutschland".
Aber drückt man damit aus, wenn man eine Religion nicht als zugehörig empfindet bzw. bezeichnet?

Und was gehört denn zu Deutschland? Von welchem Deutschland sprechen wir überhaupt? Von der Geographie, der Kultur, der Politik?
Auf Letzteres bezogen finde ich, dass Religion nicht zu Deutschland gehört bzw. gehören sollte. Ich bin für eine strikte Trennung von Religion und Staat, und damit meine ich jede Religion. Wenn es nach mir ginge, dürfte es eine Partei, die eine Religion im Titel hat, überhaupt nicht geben.

Es ist kein Geheimnis: Ich mag Religion nicht.
Glauben finde ich vollkommen in Ordnung, aber mit (organisierter) Religion habe ich ein Problem, ganz besonders dann, wenn sie politischen Einfluss hat.

Ich glaube aber nicht, dass es Herrn Seehofer um Politik geht, sondern vielmehr um die deutsche Kultur.
Und bevor man sich jetzt fragt, was denn nicht dazu gehört, muss man sich doch erst mal klarmachen, was zur deutschen Kultur gehört.

Und ... was ist das? Deutsche Pünktlichkeit? Gründlichkeit? Demokratie? Populismus? Glaube? Religion?
Deutschland wurde in den vergangenen Jahrhunderten hauptsächlich vom Christentum geprägt. Ob das gut oder schlecht ist, lasse ich an dieser Stelle mal offen, vermutlich lautet die Antwort sowieso: sowohl als auch.
Und seit mittlerweile einigen Jahrzehnten prägt auch der Islam dieses Land. Auch früher hat es in Deutschland Muslime gegeben, aber (wenn ich mich nicht schwer täusche), nicht ausgesprochen viele.
Moscheen gibt es inzwischen in jeder Groß- und in fast allen Kleinstädten. Kleine Kuhdörfer mal ausgenommen.
Der Islam bzw. Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern sind längst Teil von Deutschland und prägen deutsche Kultur mit. Und wenn es durch die Dönerbude um die Ecke passiert: Würden auf einmal alle Muslime aus Deutschland verschwinden und alle mit ihnen in Verbindung stehenden Gebäude und Geschäfte, würden wir das merken, und vielen von uns würde richtig was fehlen.

Was möchte Herr Seehofer mit seiner Aussage also mitteilen? Dass er wünscht, dass der Islam aus Deutschland verschwindet und die reine deutsche Kultur (...) erhalten bleibt?

Wenn das so ist, dann möchte ich auch mal:
- Hartz IV gehört nicht zu Deutschland
- Die AfD gehört nicht zu Deutschland
- Die verheerende Situation in der (stationären, ambulanten und häuslichen) Pflege gehört nicht zu Deutschland
- Horst Seehofer gehört nicht zu Deutschland

Funktioniert's? Nein? Ach, schade.

Aus kultureller Sicht steht es vollkommen außer Frage, ob der Islam Teil Deutschlands ist - und zwar nicht erst seit gestern.
Wenn das Herrn Seehofer nicht passt, dann tut mir das sehr leid für ihn. Nicht.

"Der Islam gehört nicht zu diesem Land" kann übrigens nur ein Diktator sagen, der die Macht hat, sämtliche Muslime aus seinem Land zu vertreiben und alles zu vernichten, was sie dort aufgebaut haben und all ihre Spuren zu verwischen. ... Moment mal, gab's sowas in der Art nicht schon mal?

Auf jeden Fall: Deutschland ist keine Diktatur, und Sie, Herr Seehofer, haben verdammt noch mal nicht zu entscheiden, was zu Deutschland gehört und was nicht, weder aus politischer Sicht, noch aus kultureller.

Dienstag, 20. März 2018

Buchempfehlung "Eingedeutscht"

Ich hatte mir mal vorgenommen, zu jedem Buch, das ich lese, eine Rezension zu schreiben. Das ... naja, egal.

Heute aber will ich ein Buch rezensieren, dass ich vor einigen Wochen vorbestellt, dann vergessen, gestern überraschend bekommen und gerade zuende gelesen habe.

Die Rede ist von Eingedeutscht von Allaa Faham und Abdul Abbasi.

Allaa und Abdul stammen aus Syrien, kamen vor einigen Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland und lernten sich über ein Youtube-Video von Abdul kennen.
Gemeinsam gründeten sie den Youtube-Kanal German LifeStyle, der auf sehr humorvolle Weise die kulturellen und gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Syrern und Deutschen auf die Schippe nimmt.

Dafür haben sie bereits diverse Preise bekommen, und auf dieser Basis und ihren Erfahrungen in Deutschland ist dieses Buch erschienen.

Vorbestellt habe ich es mit dem Gedanken "OMG, kauf nicht noch ein Buch, du hast schon so viele ungelesene, du liest das eh ewig nicht".
Aber dann habe ich gestern auf Arbeit (wir bekommen unsere Bestellungen immer direkt auf den Schreibtisch gelegt) in der Mittagspause damit angefangen und ... tja, gerade eben bin ich fertig geworden.

Das Buch ist trotz seiner Hintergründe kein politisches Buch, und es will das auch gar nicht sein.
Es ist in erster Linie ein Buch von jungen Leuten, die ihre Situation mit Humor zu nehmen gelernt haben.
Dazu gehören Besuche bei der Ausländerbehörde, bevor man sich auch nur ansatzweise auf Deutsch unterhalten kann, oder die Tatsache, dass man als Syrer Deutsch mit chinesischem Akzent spricht, wenn man mit Chinesen im Sprachkurs sitzt, wie verstörend viele Dinge, die in Deutschland alltäglich sind (z. B. ein minutengenauer Busfahrplan) auf einen Syrer wirken und wie man "seutsch" wird - weil man ganz schnell ganz vieles übernimmt und dann die Grammatik seiner deutschen Freunde korrigiert und mit Tokio Hotel-Texten Deutsch lernt, während man versucht, den Geschmack von Sauerkraut zu vergessen.

Zu lachen gibt es also einiges - aber ab und an musste ich doch auch schlucken, wenn Allaa z. B. von seinem besten Freund Tareq berichtet, der in Syrien zu Tode gefoltert wurde.
In der Mitte des Buches gibt es einige Seiten mit farbigen Fotos, die Allaas und Abduls Kindheit in Syrien zeigen, später dann mit Freunden in Deutschland, und der Unterschied fällt erst mal kaum auf ...

Ich glaube, das, was das Buch mit mir gemacht hat, ist das, was es beabsichtigt: Verständnis schaffen.
Hätte ich mich gestern noch über den arabisch aussehenden Typen aufgeregt, der auf dem Radweg im Weg rumsteht und mich anstrahlt, weiß ich jetzt, dass er einfach keine Ahnung hat, was ein Fahrradweg ist, und wenn ein Syrer reflexartig in einer Seitengasse verschwindet, sobald eine Polizeistreife in Sichtweite kommt, dann nicht, weil er was im Schilde führt, sondern weil genau dieses Verhalten in Syrien lebensnotwendig ist.
Dass die Polizei in Deutschland nicht willkürlich Leute totprügelt, hat Abdul erst gelernt, als verhaftet wurde: weil er einen Bombenwitz in einer WhatsApp-Gruppe gemacht hatte.
Selbst diese für ihn alles andere als tolle Erfahrung wird mit liebenswürdiger Leichtigkeit geschildert, ebenso, wie er ehrlich über seine Homophobie spricht, die er erst in Deutschland abgelegt hat: als er mit Homosexuellen in Kontakt kam und begriffen hat, dass es auch nur Menschen sind.

Auf seinen 200 Seiten, ganz ohne politische Propaganda, verändert "Eingedeutscht" nicht die Welt, unterhält aber und lässt nachdenklich werden: was für ein Bild haben wir von Syrern? Von Syrien? Wie sieht es da aus, wie sah es dort aus vor dem Krieg?

Die zugrundeliegende Botschaft dieses Buches: Lasst uns gemeinsam lachen, dann sind die Unterschiede schon nicht mehr so groß und furchteinflößend.

Daher eine unbedingt Leseempfehlung und der Rat, dringend mal den Youtube-Kanal der beiden anzuschauen!

Samstag, 3. März 2018

Die IT-Göttin

Im Versuch, mehr als einmal im Jahr zu bloggen, schreibe ich heute mal ein bisschen mehr über meine Arbeit.

Wir ihr ja wisst, habe ich eine Ausbildung zur Buchhändlerin gemacht. Nach meinem Abschluss im Juli 2017 wurde ich übernommen - allerdings in einer Abteilung, die ich überhaupt gar nicht auf der Wunschliste hatte (meine Wunschabteilung wären wahlweise Kinder-/Jugendbuch oder Fantasy/Sci-Fi gewesen): Im eBook-Support!

Kunden bekommen mich im Laden nun also gar nicht mehr zu Gesicht, sondern ich sitze im Großraumbüro im Logistikzentrum "meiner" Buchhandlung, wo auch Warenwirtschaft, Buchhaltung, Versand etc. sitzen.
Hier werden telefonische Bestellungen (und Reklamationen etc.) angenommen, Bestellungen bearbeitet und aufwändigere Buchrecherchen gemacht, die die Kollegen im Laden nicht machen können. Und wir helfen den Kunden mit eReader, die ein Problem haben.
Wir, das sind ein Kollege und ich - der eBook-Support wird aktuell nur von uns beiden gemacht. Theoretisch sollten wir auch immer einen Azubi haben, der mithilft und lernt, wie das so funktioniert, praktisch hat das aber noch nie geklappt, seit ich da bin.

Als mir mitgeteilt wurde, dass ich im eBook-Support übernommen werde, rutschte mir erst mal richtig das Herz in die Hose. Ich hatte zwar einen eReader und konnte damit auch leidlich umgehen, aber ich bin technisch eine absolute Null. Wie sollte ich also irgendjemandem mit einem technischen Problem helfen können? O.O
Eingelernt wurde ich dann innerhalb von drei Tagen, weil mein Kollege dann eine Woche Urlaub hatte und ich das alles ganz allein wuppen musste. Panik!

Ich habe aber recht schnell festgestellt, dass ein Großteil der Kunden, die bei uns anrufen, kein gravierendes IT-Problem haben, sondern einfach nur keine Ahnung.
Was im Grunde verständlich ist, wenn man sich anguckt, wer zur Hauptzielgruppe des eBook-Geschäfts gehört: Senioren, die keine schweren Bücher mehr schleppen möchten oder mit den Augen Probleme haben und froh sind, wenn sie die Schriftgröße am eReader ändern können.
Der Tolino, den wir verkaufen, ist in der Bedienung und was das Runterladen von Büchern angeht echt pipieinfach, aber wer überhaupt keine Erfahrung mit Computern, Handys etc. hat, wird sich da schwertun.
Daher erkläre ich ganz oft einfach, wo sich der Reader ein- und ausschalten lässt o. Ä.
Manchmal kann es einen aber auch echt zur Verzweiflung treiben, wenn z. B. solche Gespräche passieren:
Kunde: "Ich kann mein eBook am PC nicht runterladen."
Ich: "Welchen Browser nutzen Sie denn?"
K: "... ... ... Was ist das?"
Am Ende lösen wir das Problem meist, indem ich frage, wie das Symbol aussieht, auf das der Kunde klickt, wenn er ins Internet geht: "Ist es ein kleines blaues E oder die Weltkugel mit dem roten Fuchs?"

Ja, das ist manchmal richtig anstrengend, aber meistens ist es das Ergebnis am Ende wert. Manche Kunden, gerade ältere Damen, sind hinterher SO glücklich darüber, endlich ihre Rosamunde Pilcher am eReader lesen zu können, dass sie uns sogar Schokolade ins Büro schicken. :D
Eine Kundin kam sogar mal persönlich vorbei (ins Logistikzentrum, wo kein Kundenverkehr stattfindet!), um mir eine Tüte mit Knabberzeug zu bringen. O.O

Und für mich ist, wie gesagt, das meiste von dem, was ich mit den Kunden mache, total selbstverständlich, da muss ich gar nicht groß mehr nachdenken.

Es gibt natürlich auch härtere Nüsse, meist dann, wenn es Probleme mit Adobe-Kopierschutz gibt, der zum Glück immer seltener verwendet wird. Da kann es vorkommen, dass ich meinen Kollegen um Hilfe bitten muss.

Letztlich hat der Job nichts mit irgendwelcher IT zu tun, da waren meine Ängste vollkommen unbegründet.
Von den Kollegen, die sich nicht auskennen und oft auch von Kunden werde ich aber für so was wie eine Göttin gehalten. :'D

Manchmal fehlt mir die Arbeit im Laden schon, aber Büroarbeit hat halt auch ihre Vorteile: Ich habe viel geregeltere Arbeitszeiten, muss nur jeden zweiten Samstag arbeiten und kann lesen, was ich will, weil es niemanden interessiert, ob ich aktuelle Bücher lese oder völlig unbekannte Bücher oder auch mal wochenlang gar nicht. Vielleicht bewerbe ich mich irgendwann mal auf eine freie Stelle in einer Filiale, aber im Augenblick will ich nicht von da weg, wo ich bin.

Samstag, 24. Februar 2018

2017

Jetzt hab ich seit fast einem Jahr nicht mehr gebliggt ... huupps.

Dabei ist 2017 richtig viel passiert:

Das mit Abstand traurigste Ereignis in 2017 war für mich der Tod von Stinkstiefelkater Bobby im März:


Zu Pfingsten durfte dafür der Elb alias Legolas einziehen:



Bobby fehlt mir immer noch sehr, aber Legolas kann da ziemlich gut ablenken, er kann nämlich gar nicht genug Aufmerksamkeit bekommen ...

Außerdem ...

... habe ich im Mai 2017 die Wohnung renoviert und sie "neu aufgeteilt" - ich wohne mit meinem Bruder zusammen und wir haben uns die zur Verfügung stehenden Räume neu eingeteilt. Es gibt keinen gemeinsamen Wohnraum mehr (außer Bad und Küche), aber dafür hat jeder mehr Platz für sich allein, was uns beiden Höhlenmenschen sehr gelegen kommt.

... habe ich meine Ausbildung beendet. Ich bin jetzt Buchhändlerin!
Obwohl es eine zeitlang nicht danach aussah, wurde ich von meinem Betrieb übernommen, zunächst als Elternzeitvertretung. Seit September habe ich aber einen unbefristeten Arbeitsvertrag und bin zumindest in der Hinsicht erst mal "aufgeräumt".

... bin ich tiefer in das Star Trek-Universium eingedrungen. 2017 habe ich The Next Generation komplett angesehen und bin inzwischen in Staffel 4 von Deep Space Nine, das (abgesehen von der Triumvirats-Dynamik aus TOS) wohl meine liebste Star Trek-Serie werden dürfte.
Bei mir schreit inzwischen alles "Star Trek!", wenn man die Wohnung betritt: Ein riesiges Spock-Poster, Tribbles auf dem Wohnzimmertisch, Sticker am PC, Buttons am Rucksack; ich besitze zwei Star Trek-T-Shirts und wenn ich mir jemals ein Tattoo stechen lassen sollte, dann weiß ich inzwischen, welches Motiv es sein wird.
Im Mai 2017 war ich außerdem auf einer Star Trek-Ausstellung im Dornier Museum in Friedrichshafen (mit Alex und Georg) und habe nun u. A. dieses hübsche Foto von mir:



... war ich zum zehnten und vorerst letzten Mal auf dem Summer Breeze Open Air. Letztes Jahr lief einiges schief und da sich die Bands inzwischen so oft wiederholen, dass ich dort kaum noch Neues entdecke, mache ich 2018 Pause.


Und nun schauen wir mal, ob ich wieder häufiger blogge, oder ob wir uns im Februar 2019 zum Jahresrückblick 2018 lesen ...

Montag, 27. Februar 2017

Lest dieses Buch!

Hff. Ich habe gestern Abend zum ersten Mal seit einiger Zeit ein Buch beendet, das mich wirklich, wirklich begeistern und ganz und gar fesseln konnte. Das mich so berührt hat, dass ich beim Lesen zwischendurch einfach zu heulen angefangen habe.
The Long Way to a Small, Angry Planet (Deutsche: Der lange Weg zu einem kleinen, zornigen Planeten) von Becky Chambers ist der erste Band der Wayfarers-Trilogie. Band 2 A Close and Common Orbit ist auf Englisch bereits erschienen, Band 3 ist für Januar 2018 angekündigt.
Eins vorweg: dieses Buch ist nichts für Action-Fans, die möglichst viel über komplizierte Technik und intergalaktische Kriege lesen wollen.
Es ist deutlich stiller und konzentriert sich auf die Charaktere, die so unfassbar wundervoll sind, dass ich jeden einzelnen davon aus dem Buch ziehen und herzen wollte.
Die Wayfarer ist ein kleines, vielfach geflicktes und etwas durchgevögelt aussehendes Raumschiff, dessen Aufgabe es ist, „Wurmlöcher“ (bzw. was Ähnliches) anzulegen, durch die man schnell zwischen weit entfernten Orten reisen kann.
Weil Captain Ashby Santoso seine Rechnungen und Berichte kaum noch überblicken kann, stellt er mit Rosemary eine Buchhalterin ein. Rosemary hat diesen Job angenommen, weil er sie fort von ihrer Heimat auf dem Mars führt, wo sie ohne eigenes Verschulden ihr altes Leben zurücklassen muss.
Zunächst ein wenig überwältigt von der bunt zusammengewürfelten Crew, stellt Rosemary schnell fest, dass die Wayfarer genau der richtige Ort für sie ist – mit Sissix, der Pilotin, die eine Aandrisk ist – eine reptilienartige Spezies, Kizzy und Jenks, den chaotischen Technikern, der KI Lovelace (Lovey), in die Jenks verliebt ist und die gerne einen Körper hätte, was für empfindsame KIs jedoch verboten ist, Dr Chef, dem Koch und Arzt, dessen Spezies, die „Grum“ bald aussterben wird, Corbin, dem Algentechniker (irgendwie werden Raumschiffe mit Algen betrieben), den keiner leiden kann und der niemanden leiden kann und Ohan, dem Navigator, die einer Spezies angehören, die durch die Infektion mit einem Virus einzigartige mentale Fähigkeiten entwickelt und sich nach Infektion als ein „Paar“ betrachtet, weshalb Ohan von sich selbst im Plural sprechen und auch so angesprochen werden.
Kurz nach Rosemarys Eintreffen auf der Wayfarer bekommt die Crew einen einzigartigen Auftrag: Sie sollen ein Wurmloch zu einem weit entfernten Planeten anlegen, der von den Toremi kontrolliert wird, einer ausgesprochen kriegerischen und impulsiven Spezies.
Mich hat das Buch vielfach an Star Trek erinnert – der Zusammenschluss aus verschiedenen Spezies von verschiedenen Planeten, „Galactic Commons“ genannt, erinnert an die Föderation aus Star Trek, was aber gar nicht der Hauptgrund ist. The Long Way to a Small, Angry Planet spielt wie Star Trek in einer Zukunft, in der die Menschheit einige verdammt wichtige Lektionen gelernt hat – zu einem hohen Preis: die Erde ist unbewohnbar geworden, und die Menschen leben entweder auf dem Mars (wo Rosemary aufgewachsen ist) oder auf „Homesteadern“, gigantischen Raumschiffen, die den Menschen als Heimat dienen. Einige leben auch auf anderen Planeten in Kolonien.
Um große interplanetarische Konflikte und Politik geht es hier aber gar nicht - es geht um den langen Weg zu diesem kleinen, zornigen Planeten, der zunächst auf die „klassische“ Weise zurückgelegt werden muss, ehe das Wurmloch angelegt werden kann. Auf diesem Weg lernt Rosemary die Crewmitglieder kennen, erfährt deren Geschichten und muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Es ist kein actionreiches Buch, sei hier noch mal gesagt. Aber genau deshalb liebe ich es so sehr.
Es ist unfassbar lustig, es ist berührend, und es liest sich wie ein Versprechen, dass Menschen sich ändern können.
Es ist wie eine Feier – keine wilde Party, auf der die Alkoholleichen in den Ecken liegen und laute Musik läuft, nein, es ist stiller, persönlicher und nachhaltiger.
Es ist eine Feier kultureller, sexueller und körperlicher Diversität, ein Ruf nach Verständigung und dem Anerkennen der Tatsache, dass man manche Unterschiede, manche Eigenschaften anderer Spezies nicht verstehen, wohl aber akzeptieren kann. Es stellt unangenehme Fragen, zum Beispiel, ab wann eine künstliche Intelligent als „Leben“ zu verstehen ist und wie viele Rechte ihr eingeräumt werden sollten.
Mein einziger Kritikpunkt ist, dass manche Entwicklungen zu schnell und zu „glatt“ gingen. Da hätten dem Buch hundert Seiten mehr gar nicht geschadet, um die Konflikte der einzelnen Charaktere ein wenig tiefgreifender auszuführen – besonders bezogen auf Corbin und Ohan.
Es ist zwar eine Trilogie, allerdings soll der zweite Teil sich, wenn ich das richtig verstanden habe, auf neue Figuren konzentrieren und die Handlung aus Band 1 ist mit dem Ende dessen auch abgeschlossen – auch wenn ich auch noch fünf weitere Bücher mit dieser großartigen, chaotischen Crew lesen würde. Ich werde diese Bande vermissen.

Und zum Abschluss bleibt mir nur eines zu sagen: Menschen, lest dieses Buch. Es ist großartig, und es ist wichtig. Ich möchte es im Hunderterpack kaufen und an jeder Straßenecke verschenken.